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Rechtlos im eigenen Land

Beeindruckende Dokumentation im Heidehäuschen: Zeitzeuginnen der SAJ berichten

Volles Haus im Naturfreundehaus Heidehäuschen, in dem AWO und AG60plus der Wiesbadener SPD eine beeindruckende Dokumentation über drei Frauen aus Wiesbaden, die ihre Erlebnisse in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) während der Weimarer Republik und der Nazi-Zeit schildern, zeigten. Liesel Zorn, Grit Wölfert und Henny Neu berichten über ihre Jugend, in der sie sich der SAJ angeschlossen hatten. Ihr großes Vorbild und ihr Mentor war der Widerstandskämpfer und spätere Oberbürgermeister sowie Landtagspräsident Georg Buch.

Mit ihm und seiner Gruppe traf man sich, diskutierte, wanderte und sang zusammen. Als die Nazis an die Macht kamen, wurde die SAJ verboten, was die drei Frauen nicht davon abhielt, sich weiter in der Gruppe zu treffen. „Wir waren eigentlich ziemlich unpolitisch“, sagt Liesel Zorn. Sie waren sich, so offenbaren sie, der Gefahr, in die sie sich begeben hatten, gar nicht bewusst, bis sie 1941 zur Vernehmung durch die Gestapo in die Paulinenstraße 9 vorgeladen wurden. Liesel Zorn wurde des Hochverrats angeklagt und kam für fast ein Jahr ins Gefängnis, Grit Wölfert musste eine zehnmonatige Haftstrafe verbüßen und Henny Neu wurde nach fast zehnmonatiger Untersuchungshaft zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt. „Sie können sich nicht vorstellen, wie es ist, rechtlos im eigenen Land zu sein“, so mahnte Henny Neu eindringlich. Diese Erlebnisse haben die Frauen nicht abgehalten, nach dem Krieg wieder in der Arbeiterwohlfahrt sowie in der SPD aktiv zu sein.

Generationen im Dialog: Schüler diskutieren mit der AWO und AG60plus

Eine rege Diskussion schloss sich der Vorführung an. Besonders erfreut waren die Veranstalter von AWO und AG60plus, dass Schülerinnen und Schüler der Abendrealschule gemeinsam mit ihrem GL-Lehrer den Weg in das Naturfreundehaus gefunden hatten. Sie waren beeindruckt von der natürlichen Art, in der die drei Zeitzeuginnen ihre Erlebnisse schildern.

Für die Dokumentation wurden die Filmemacher Elke Klotsch, Enca von Moeller und Stefan Heintzenberg 2001 von der SPD Wiesbaden mit dem renommierten Georg Buch-Preis ausgezeichnet.

Diese Veranstaltung verdeutlichte einmal mehr, wie lebendig und aktuell die Geschichte unserer Stadt bleibt, wenn sie durch persönliche Schicksale greifbar wird. Der Austausch zwischen den Generationen im Heidehäuschen war ein starkes Zeichen gegen das Vergessen und ein Appell für Zivilcourage in der heutigen Zeit. Die AWO Wiesbaden wird auch in Zukunft Räume für solche wichtigen Begegnungen schaffen, um die demokratischen Werte unserer Vorbilder weiterzutragen.

Menschen sitzen auf Stühlen in einem Saal und warten bis der Film losgeht

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